Nach Jahrzehnten wieder aufgetaucht: Es gibt noch Restposten meiner ersten kleinen Zeitschrift!

IMG_6569Vergangenen Sonnabend hatte ich Geburtstag und durfte mich über eine ganze Menge liebe digitale und analoge Glückwünsche freuen. Ein ganz besonderer Gruß erreichte mich allerdings von meiner Schulfreundin Anke. Mit ihr hatte ich in der Schulzeit eine kleine Zeitschrift herausgegeben: „Der kleine Zoobesuch und andere Viechereien“. In all den Jahrzehnten, die seither vergangen sind, musste ich immer davon ausgehen, dass sämtliche Exemplare dieser Zeitschrift den Umzügen und Aufräumaktionen zum Opfer gefallen sind, die das Leben nun einmal mit sich bringt. Ich war immer ein bisschen traurig darüber, denn ich hätte zu gern einmal wieder in diesen handgefertigten Heftchen geblättert. Doch auf dem Dachboden von Ankes Eltern schlummerte irgendwo tatsächlich noch ein Karton mit unsere selbstproduzierten Zeitschriften von damals.

Und so erreichte mich zu meinem Geburtstag ein Brief, der ein Exemplar der 7. Ausgabe des „Kleinen Zoobesuch“ von August 1983 enthielt. Sie hätte mich kaum mehr überraschen können. Den Passus in der Rubrik „Mein Werdegang“ meiner Website werde ich ein wenig umschreiben müssen. Und kann die Geschichte meiner ersten journalistischen Gehversuche bei dieser Gelegenheit gleich einmal ein bisschen ausführlicher erzählen.

Journalismus war von Kindesbeinen an mein Traumberuf. Und ich hatte nicht vor, bis irgendwann nach dem Abitur damit zu warten: Bereits als Zwölfjährige gab ich meine erste eigene Zeitschrift heraus, ein kleines Pferdemagazin namens „Hoppereiter“. Ich schrieb es an einer kleinen Reiseschreibmaschine, illustrierte es liebevoll mit eigenen Zeichnungen und vervielfältigte es eigenhändig am Kopiergerät im Keller der Arztpraxis meines Vaters. Ich mochte nicht nur das Schreiben selbst, sondern beschäftigte mich auch gern mit der Rubriken-Einteilung, achtete auf Kontiunität und eine gute Leser-Blatt-Bindung.

Insgesamt zwei Jahre lang brachte ich jeden Monat eine solche Zeitschrift heraus, die ich an andere Pferdenarren und meine Schulfreunde vertrieb. Ich unterhielt Austausch-Abonnements mit anderen selbstproduzierten Pferdezeitschriften (Marktbeobachtung ist ja so wichtig!) und schwatzte natürlich auch meiner gesamten Verwandtschaft Abos auf, zu bezahlen bitte im Voraus in Briefmarken. Meine verstorbene Oma hat mir unter anderem eine postalische Mahnung hinterlassen, die ich ihr geschickt hatte, als sie mit der Bezahlung ein wenig in Verzug geraten war. Ich hatte hierfür eigens einen kleinen Vordruck produziert.

Der „Hoppereiter“ löste seinerzeit einen ungewöhnlichen Trend in meiner Schulklasse aus: Innerhalb kürzester Zeit konkurrierten sieben schülerproduzierte Zeitschriften um die Gunst eines engen Marktes von 30 potenziellen Lesern der 6. Klasse. Da gab es eine Tier-Zeitschrift, ein Naturschutz-Magazin, eine Zeitschrift im Stil der „Bravo“, ein Satireblatt in Anlehnung an die „Mad“, ein Magazin für Autofreunde und noch eines, an dessen thematischen Fokus ich mich nicht mehr erinnere. Ich weiß allerdings noch, dass unsere Lehrerinnen und Lehrer ziemlich fasziniert von diesem Phänomen waren. Unsere Klassenlehrerin jedenfalls war treue Abonnentin meines „Hoppereiters“: Ihre reitbegeisterte Tochter klebte die schwarz-weiß kopierten Poster auf farbige Pappe und hängte sie in ihrem Kinderzimmer auf.

Natürlich trat bald der Effekt ein, den man in jedem Wirtschaftszweig bei einer Marktübersättigung beobachten kann: Einzelne Wettbewerber warfen das Handtuch, andere überlebten durch Konsolidierung. Der „Hoppereiter“ jedenfalls hielt sich durch Fusion mit Ankes Magazin „T wie Tier“ zu dem neuen Titel „Kleiner Zoobesuch und andere Viechereien“: Nach dem Zusammenschluss ging es in der ersten, von Anke betreuten Hälfte um Tiere ganz allgemein, in meiner zweiten Hefthälfte ausschließlich um Pferde. Auf diese Weise überdauerte das Magazin bis irgendwann in 1984. Es überlebte im Laufe dieser Zeit übrigens auch eine Gegendarstellung auf Seite 1. Ich kann also mit Fug und Recht sagen, dass ich mit vielen kritischen Facetten des Blattmachens schon im Alter von 12 bis 14 konfrontiert wurde.

IMG_6563Nun liegt also endlich wieder eines dieser handgearbeiteten kleinen Heftchen aus den 1980er Jahren vor mir. Ich muss schmunzeln, denn in meiner nostalgischen Verklärung hatte ich das Magazin bis jetzt deutlich professioneller in Erinnerung. Zum Glück konnten uns damals mangels Internet-Verbreitung noch keine Abmahn-Anwälte auf die Schliche kommen. Sie hätten einiges zu tun gehabt: Viele Texte und Bilder stammten aus den Zeitschriften „Pferde Heute“ und „Ein Herz für Tiere“, die wir nicht nur aus persönlichem Interesse, sondern auch unter dem Aspekt der Weiterverwertung lasen. Wir schnitten viele Elemente einfach aus und klebten sie in unsere Kopiervorlage. Ein urheberrechtlicher GAU, für den mir damals jegliches Unrechtsbewusstsein fehlte.

Doch die Fortsetzungsgeschichte „Endlich ein eigenes Pferd!“ stammte definitiv aus meiner eigenen Feder (meine Eltern ließen sich übrigens trotzdem nicht erweichen, mir ein eigenes Pferd zu kaufen), auch das Preisrätsel und diverse Zeichnungen von Pferden habe ich immer selbst angefertigt. Urheberrechtlich unbedenklich ist auch das Foto unseres Familien-Cockerspaniels „Cessy“, das sie als Welpe mit wehenden Ohren über die Wiese rennend zeigt. Ebenso wie das Bild des drei Tage alten Fohlens Gina, das ich in einem meiner vielen Reiturlaube fotografiert hatte. Während meines Reiturlaubs war nämlich Ginas Mutter, die trächtige Stute Feuerfee, mein Pflegepferd gewesen. Ich erinnere mich genau, wie ungeduldig ich der Geburt des Fohlens entgegengefiebert hatte. Noch vor dem Frühstück rannte ich jeden Morgen in den Stall um nachzuschauen, ob es in der Nacht vielleicht geschlüpft war. Irgendwann war es dann tatsächlich da, und ich verbrachte den Rest des Reiturlaubs fast ununterbrochen mit Mutter und Tochter in ihrer Pferdebox.

Nicht abgeschrieben oder kopiert waren auch die Gastbeiträge von Kirsten, einer 14-jährigen Pferderedakteurin aus Detmold, die in ihrer Zeitschrift die Aktivitäten ihres Steckenpferd-Clubs dokumentierte. Kirsten und ihre Freundinnen praktizierten damals schon, was heute als neuer Trendsport aus Finnland zu uns herüberzuschwappen scheint: echte Turniere mit Dressur- und Springreiten auf selbstgebastelten Steckenpferden. Ich hatte Kirsten über eine Kleinanzeige aus der Rubrik „Brieffreundschaft gesucht“ in der Pferdezeitschrift „Wendy“ kennen gelernt. Persönlich begegnet bin ich ihr nie, doch wir hielten über unsere Austauschabonnements und Gastbeiträge eine ganze Weile intensiven Kontakt.

Wie sähen „Hoppereiter“ und „Kleiner Zoobesuch“ wohl aus, wenn ich sie mit den heutigen Mitteln hätte produzieren können? Mit der Möglichkeit der Internetrecherche, der Gestaltung am PC mit einem ordentlichen Layout, in dem man Bilder bei Bedarf auf in der Größe anpassen kann (!)… Wenn beim „Hoppereiter“ oder „Zoobesuch“ ein Bild nicht so recht passen wollte, musste ich die Bildunterschrift halt handschriftlich irgendwie drumherum schreiben. Und wenn ich mich an der Schreibmaschine vertippt hatte, verzichtete ich oft darauf, die ganze Seite neu zu tippen, sondern korrigierte den Fehler einfach handschriftlich.

Zum Glück scheint das Genre „selbstproduzierte Jugendzeitschrift“ noch nicht ausgestorben zu sein. Vor einer Weile kaufte ich in Berlin einem etwa zwölfjährigen Jungen ein Exemplar seiner Zeitschrift ab, in der er über seinen Kiez berichtete. Ich erinnere mich an einen Eisdielen-Test, Nachrichten aus seiner Schule und Portraits verschiedener Läden in seinem Viertel. Sehr niedlich, aber tatsächlich auch ziemlich gut gemacht. Ich sollte vielleicht einmal in meinen Schubladen kramen, nach diesem Heftchen suchen und es mit meinem eigenen Frühwerk vergleichen.

Doch zurück zum „Kleinen Zoobesuch“: Dieser wunderbare Geburtstagsgruß hat nicht nur eine Menge Erinnerungen wachgerufen, sondern mir auch noch einmal verdeutlicht, dass ich genau in dem Beruf gelandet bin, den ich schon von Kindesbeinen an ausüben wollte. Und das empfinde ich als ein sehr großes Geschenk.

DDG-Medienpreis: Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträgerinnen!

Gestern hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) im Rahmen ihrer Herbsttagung die DDG- Medienpreise 2018 verliehen. Und unter den drei Kolleginnen und einem Kollegen, die mit den Preisen in den Kategorien Print, Hörfunk, TV und Online geehrt wurde, tauchten doch glatt ein paar bekannte Gesichter auf!

So prämierte die DDG in der Kategorie Print ein mehr als 30-seitiges Themenspezial von Eileen Stiller in Ausgabe 3.2017 des Focus Diabetes. In dem klasse umgesetzten Beitrag geht es um moderne Diabetesmedikamente: Für wen kommen welche Medikamente infrage? Wie wirken sie? Welche Nebenwirkungen kann es geben? Was muss der Patient bei der Einnahme beachten? DDG-Medienpreis: Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträgerinnen! weiterlesen

Focus Diabetes mit Spezial Psyche: „Glücklich leben – die Kunst, an Diabetes zu wachsen und innere Stärke zu gewinnen“

Es ist ja inzwischen ein kleines Steckenpferd von mir: das Thema „Diabetes und Psyche“. Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder einmal bei Kongressen wissenschaftliche Sitzungen besucht, in denen Diabetologen und Psychologen über die typischen psychischen Belastungen von Menschen mit Diabetes berichtet haben. Darin ging es um Fragen wie das Depressionsrisiko bei Diabetes (und das Diabetesrisiko von Menschen mit Depression), Diabetes-Burnout oder Probleme in der Partnerschaft. Auch für mein Buch „In guten wie in schlechten Werten“ habe ich viel psychologische Fachliteratur gewälzt und mit Psychologen über die Belastungen gesprochen, die der Diabetes speziell für die Angehörigen von Menschen mit Diabetes mit sich bringt. Focus Diabetes mit Spezial Psyche: „Glücklich leben – die Kunst, an Diabetes zu wachsen und innere Stärke zu gewinnen“ weiterlesen

Beinahe hätte ich es verpasst: Mein 15-jähriges Dienstjubiläum als freie Journalistin!

Neulich feierte die Tanzschule, in der mein Mann und ich Standard und Latein tanzen, ihr 15-jähriges Bestehen. Anderthalb Jahrzehnte Tanzschule, das sind auch anderthalb Jahrzehnte Selbstständigkeit. Und erst bei der unterhaltsamen, teilweise auch sehr emotionalen Ansprache des Tanzschulinhabers fiel mir auf einmal auf, dass eigentlich auch ich 2018 mein 15-jähriges Jubiläum als Selbstständige feiern könnte. Beinahe hätte ich es verpasst: Mein 15-jähriges Dienstjubiläum als freie Journalistin! weiterlesen

Endlich! Mein Buch ist da! „In guten wie in schlechten Werten“ ab jetzt erhältlich!

Wow, was für ein cooles Gefühl, das erste eigene Buch gedruckt in den Händen zu halten. Vor ein paar Tagen ist ein Karton mit Autorenexemplaren bei mir angekommen, mittlerweile kann man das Buch im Kirchheim-Shop und bald auch über alle anderen gängigen Kanäle bestellen.

Was erwartet euch als Leserinnen und Leser? 15 Porträts von Familien und Paaren, die mir erzählt haben, was der Diabetes mit ihrer Beziehung und dem gemeinsamen Alltag macht. Zu jedem Porträt ein Expertenkommentar, der die persönliche Geschichte ein wenig einordnet. Außerdem ein großer Teil mit Diabeteswissen, der den Familien sowie Lebensparterinnen und -partnern von Menschen mit Diabetes bei der Orientierung helfen soll. Endlich! Mein Buch ist da! „In guten wie in schlechten Werten“ ab jetzt erhältlich! weiterlesen

Ein kleiner Exkurs zum Thema „Umgang mit Pressemitteilungen“ und „Qualität journalistischer Recherche“

Nicht weniger als ein „geschlossenes Regelsystem, das unter die Haut eingesetzt wird und vollautomatisch den Blutzuckerspiegel für 3 Tage regelt und dann nachgefüllt werden kann“ versprach eine Meldung, die kurz vor dem ATTD-Kongress in vielen Medien und Facebook-Gruppen geteilt wurde. Das Ärgerliche daran: Sie stimmt ganz einfach nicht. Ich habe einmal nachgeforscht.

Der ATTD-Kongress (ATTD steht für Advances in Technlogies and Treatments of Diabetes) ist immer für ein paar technische Neuheiten und Überraschungen gut. Immerhin trifft sich dort die internationale Créme de la Créme der Wissenschaftler und Unternehmen, die auf dem Gebiet der Diabetestechnologie herumtüfteln. Doch was im Vorfeld des diesjährigen ATTD, der Mitte Februar 2018 in Wien stattgefunden hat, als vermeintliche sensationelle Innovation angekündigt wurde, toppte doch alles bisher dagewesene. Ein kleiner Exkurs zum Thema „Umgang mit Pressemitteilungen“ und „Qualität journalistischer Recherche“ weiterlesen

Datenkonzerne als medizinische Dienstleister: Demnächst werden also tatsächlich Apple-Kliniken Realität

Bei Bibliomed war heute nachzulesen, dass der Technologiekonzern Apple in diesem Frühjahr den Betrieb von Kliniken für seine Mitarbeiter und ihre Familien starten will. So sollen unter dem Namen AC Wellness zunächst zwei Kliniken in der Nähe des Hauptsitzes von Apple in Santa Clara County (Kalifornien) aufgebaut werden. Diese Nachricht hat mich beinahe ein wenig erschreckt. Denn als ich Anfang Dezember 2017 beim „Forum Ambulantes Operieren“ in Berlin den Keynote-Speaker Prof. Stefan Stoll aus Basel über seine Vision einer „Apple-OP-Praxis“ sprechen hörte, kam mir diese Option doch noch etwas weiter entfernt vor. Datenkonzerne als medizinische Dienstleister: Demnächst werden also tatsächlich Apple-Kliniken Realität weiterlesen